Planung trifft auf Wirklichkeit. Unsere erste große Reise mit dem M&M-Mobil ist gut vorbereitet. Es soll entlang der dänischen Westküste bis nach Skagen gehen, wo Skagerrak auf Kattegat trifft. Doch was, wenn das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht? Dann werfen wir unseren Plan einfach in die Tonne und fahren mit dem Wohnmobil der Sonne hinterher. Aber der Reihe nach.



Der erste Stopp: die Insel Rømø
Unser Campingplatz First Camp Lakolk liegt direkt hinter dem weißen Sandstrand. Traumhaft. Die Insel ist für uns nicht neu. Wir waren vor einem Jahr bereits hier – allerdings ohne Wohnmobil und nur für ein paar Stunden. Es hat uns so sehr gefallen. Da müssen wir unbedingt wieder diese wunderschöne Insel kurz hinter der deutsch-dänischen Grenze besuchen. Der perfekte Start in unser Dänemark-Abenteuer.
Unsere Tipps:
- Marskdestilleriet – eine kleine, feine familiengeführte Destillerie. Beim Gin können wir nicht widerstehen.
- Otto & Ani’s Fisk – Fischgeschäft und Bistro. Krabben-Sandwich auf die Hand und geräucherter Lachs fürs Abendessen auf dem Campingplatz.



Esbjerg, Vejers, Hvide Sande und eine Planänderung
„Der Mensch am Meer“. So der Titel einer neun Meter hohen Skulpturengruppe, nordwestlich vom Stadtzentrum von Esbjerg. Die vier Männer bekommen selbstverständlich Besuch von uns. Wer in Ebjerg ist, sollte ebenfalls vorbeischauen. Es lohnt sich. Ebenso wie das Bunkermuseum Tirpitz. Als Teil von Hitlers Atlantikwall sollte die Kanonenstellung die Einfahrt nach Esbjerg verteidigen. Zum Glück endete der Krieg, bevor der Bau abgeschlossen war, und so steht der Betonklotz wie ein Mahnmal mitten in der herrlichen Dünenlandschaft der dänischen Westküste.



Unser Tagesziel: Vejers Strand. Auf 65 Einwohner kommen über 1.000 Ferienhäuser! Und wir können es sehr gut verstehen, dass es viele Urlauberinnen und Urlauber hierher zieht. Dänemark wie im Bilderbuch. Hyggelig. Unser moderner und bestens ausgestatteter Campingplatz liegt mitten in der Dünenlandschaft, direkt am feinen, weißen Sandstrand. Einfach wunderschön!


Über Hvide Sande führt uns unsere wohlgeplante Route nach Søndervig. Bislang haben wir wettertechnisch sehr viel Glück. Sonne pur bei angenehmen 20 bis 25 Grad. Doch jetzt schlägt das Wetter um: Sturm und Regen kündigen sich an und die Wetter-App verheißt für die dänische Westküste innerhalb einer Woche keine Besserung. An der Ostküste? Nur zwei Tage Sturm und Regen, dann wieder Sonne, so die Prognose. Wozu haben wir ein Wohnmobil? Für genau diese Momente! Also Planänderung.

Skagen, Frederikshavn, Aalborg und ein kurzer Kulinarik-Kurs
Etwa vier Stunden Fahrtzeit brauchen wir nach Skagen, der schönen Hafenstadt am nördlichen Ende der Halbinsel Jütland. Unser Campingplatz für eine Nacht: Camping Poul Eeg. Uns fällt auf, dass fast nur Däninnen und Dänen hier ihren Urlaub verbringen. Der Wind bläst inzwischen mit gut 50 Kilometer pro Stunde und schüttelt das M&M-Mobil gut durch.
Am nächsten Morgen geht es satte drei Kilometer weiter nach Grenen, dem nördlichsten Punkt Dänemarks. Hier trifft die Nordsee auf die Ostsee. Ein Traktor zieht die Touristinnen und Touristen im Anhänger vom Parkplatz direkt an den Strand. Der Wind hat inzwischen Orkanstärke erreicht. Die Wellen beider Meere prallen sichtbar aufeinander und schaukeln sich auf. Wir können uns auf den Beinen halten und stehen mit einem Fuß in der Nordsee und mit dem anderen in der Ostsee. Einen Unterschied können wir nicht feststellen, höchstens farblich. Ein echter Bucket-List-Moment.



Nach einer Shopping-Tour durch Skagen fahren wir weiter nach Frederikshavn. Im Yachthafen Rønnerhavnen gönnen wir unserem M&M-Mobil und auch uns auf einem sehr schönen Stellplatz eine geruhsame Nacht. Das Wetter ist inzwischen wieder auf Sommer geschwenkt.


Nächster Halt: Aalborg. Eine lebhafte Stadt. Vor allem das Uferviertel pulsiert und erinnert ein bisschen an Flensburg. Neben den Sight-Seeing-Hotspots Dom und Utzon-Center führt uns der Spaziergang durch die Jomfru Ane Gade, die größte Party- und Kneipenstraße Skandinaviens. Allerdings schläft auch diese Straße an einem normalen Sonntagvormittag. Und so machen wir Rast im Restaurant Hos Henius, bekannt für traditionelles Smørrebrød. Aber was ist das überhaupt? Zunächst eine Scheibe Roggenbrot. Darauf kommen dann alle möglichen Köstlichkeiten: zum Beispiel Roastbeef oder Fisch und Krabben, Kartoffelscheiben, und, und, und. Dringende Empfehlung: Smørrebrød in allen Variationen unbedingt genießen.



Und wenn wir schon beim Thema Essen sind, dann müssen wir die Kanelsnegle noch erwähnen. Die zuckersüßen Zimtschnecken gibt es in wirklich jeder Bäckerei Dänemarks. Aus organisatorischen Gründen können wir nicht alle testen. Die, die wir aber verkosten, sind ausnahmslos ein Genuss.


Hobro Havn, Aarhus, Kolding und die Sonne begleitet uns
Dänemark ist so schön unkompliziert. Wir sind von Aalborg weiter Richtung Süden aufgebrochen. In der App finden wir den Hobro Sejlklub. Direkt am Fjord werden Wohnmobil-Stellplätze angeboten. Wir buchen und bezahlen online, bekommen einen Code. Eine halbe Stunde später stehen wir mit dem M&M-Mobil vor der Schranke zum Segelklub. Die Zahlenkombination macht den Weg frei zu einem wunderschönen Platz für die Nacht.



Weiter nach Süden. Wir machen Halt in der zweitgrößten Stadt Dänemarks. Aarhus ist eine lebendige Studierendenstadt. Wir schlendern durch die Straßen. Moderne Architektur trifft auf historische Gebäude. Die Mischung passt und wirkt stimmig. Das Kaufhaus Salling hat ein ganz besonderes Highlight. Denn auf dem Dach erwartet uns eine Rooftop-Bar, ein Zen-Garten, ein Skywalk sowie eine atemberaubende Aussicht über die ganze Stadt und die Küste.
Im Street Food Market gibt es leckeres Essen und Getränke aus aller Welt. Wir entscheiden uns für thailändisches Curry und werden nicht enttäuscht. Gut gestärkt fahren wir weiter nach Kolding. Denn wir haben noch einiges vor.



Kopenhagen – die lebenswerteste Stadt der Welt
Dancamps ist unser Ziel für die kommenden zwei Nächte. Am Rand von Kolding gelegen, besticht der Campingplatz mit großzügig angelegten Parzellen und einem modernen Waschhaus. Wir nutzen einen verregneten Urlaubstag und planen unseren Trip nach Kopenhagen. Einen passenden Stellplatz haben wir gefunden und gebucht: City Camp Kopenhagen. Die Rezensionen bei Google sind gemischt. Während viele die Nähe zur Innenstadt loben, bemängeln andere den schlechten Zustand des Geländes. Bei Regen soll sich der Platz in eine matschige und dreckige Dänemark-Version von Wacken verwandeln. Da aber die kommenden Tage sommerlich warm werden sollen, steuern wir City Camp an. Spoiler: Wir werden nicht enttäuscht.



Die Fahrt von Kolding nach Kopenhagen führt uns über den kleinen und den großen Belt (Storebælt). Gerade die Storebælt-Brücke ist ein echtes Erlebnis, ist sie doch mit ihren 18 Kilometern Länge ein gigantisches Bauwerk. Für die Überfahrt wird eine Maut fällig. Wir haben im Vorfeld online recherchiert. Für unser Wohnmobil werden satte 645 dänische Kronen (rund 86 Euro) fällig – einfach. Für Hin- und Rückfahrt sind das also 172 Euro. Aber: Verschiedene Foren weisen darauf hin, dass fürs Wohnmobil ein spezielles „Motorhome Agreement“ online abgeschlossen werden kann. Der Vorteil: Der Preis halbiert sich. Der Nachteil: Damit diese Vereinbarung auf Anhieb von Erfolg gekrönt ist, braucht es offenbar eine besondere Sternenkonstellation ;-). Spoiler: In den Genuss des Rabatts sind wir erst auf der Rückfahrt gekommen.



Wenn (B)Engel reisen
Kopenhagen hat sich für uns herausgeputzt. Sonnig, kein Regen und jeden Tag ein paar Grad wärmer. Mit dem Hop-on-hop-off-Bus verschaffen wir uns einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten in Kopenhagen, die gerade wieder zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt wurde. Wir können die Wahl sehr gut nachvollziehen. Die Stadt ist modern und traditionsbewusst zugleich, ohne darin einen Konflikt zu sehen. Die Fahrradwege sind breiter als die Straßen für Autos. Die Menschen sind gelassen, trotz der vielen Touris, die jetzt im Sommer die Innenstadt bevölkern. Und die Sehenswürdigkeiten verdienen diesen Namen. Schloss Christiansborg (Sitz des Parlaments und der Ministerpräsidentin), Schloss Amalienborg (Residenz der Königsfamilie), Schloss Rosenborg (beherbergt die Kronjuwelen), Nyhavn (historischer Hafenkanal), Gefion-Brunnen, Marmorkirche, der Vergnügungspark Tivoli sowie die wohl berühmteste „Einwohnerin“ Kopenhagens, die kleine Meerjungfrau.



Besondere Empfehlung: Frihedsmuseet (Freiheitsmuseum). In diesem modernen Gebäude erwartet die Besucherinnen und Besucher eine multimediale Zeitreise. Die Geschichte mehrerer Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg hat uns sehr beeindruckt. Auf jeden Fall einen Besuch wert.






Bereits in Aarhus waren wir vom dortigen Street Food Market begeistert. Der Reffen Street Food Market in Kopenhagen setzt noch einen drauf. Auf einem ehemaligen Hafengelände erwarten uns über 40 verschiedene Mini-Restaurants, die einen kulinarisch um die ganze Welt reisen lassen. Reffen hat dazu noch eine eigene kleine Brauerei. Das Bier ist süffig und so bleiben wir länger als eigentlich geplant.

Obwohl wir den Abstecher nach Kopenhagen nicht geplant hatten, war es Höhepunkt und krönender Abschluss unserer ersten größeren Reise mit dem M&M-Mobil. Danke an ein phantastisches Land mit großartigen Menschen. Wir kommen definitiv wieder.



Unser Fazit
Dänemark ist traumhaft. Was für ein wunderschönes Land. Die Däninnen und Dänen zählen zu den glücklichsten Menschen der Welt. Dass man in Dänemark an keinem Ort des Landes weiter als 50 Kilometer vom Meer entfernt ist, mag zum Glück beitragen. Uns ist aber auch immer wieder aufgefallen, wie entspannt und zufrieden die Menschen hier sind. Man trifft sich mit Freundinnen und Freunden, der Familie, den Kolleginnen und Kollegen und genießt den Augenblick. Rücksicht und ein gutes Miteinander zeichnen unsere nördlichen Nachbarn aus.
Es muss aber auch erwähnt werden, dass Dänemark als Urlaubsland nicht immer preiswert ist. Lebensmittel generell, Alkohol und Süßigkeiten im Besonderen, sind vergleichsweise teuer.
Hier unser persönlicher Check – subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
PROS
- MEER: Am Wasser ist es einfach immer schöner.
- HYGGE: Ein Lebensgefühl, das wir uns abschauen sollten.
- VERKEHR: Fahrrad schlägt Auto, Elektro schlägt Verbrenner. Und dank des Tempolimits auf Autobahnen kommt jeder entspannt, staufrei und sicher an.
- STIL: Klar, minimalistisch, lässig und stylisch. Kleidung und Design sind überzeugend echt.
- MODERN: Funklöcher? Nicht in Dänemark. 5G ist Standard. Öffentliche Ladesäulen für E-Autos gibt es in jedem Ort. Und bezahlt wird ALLES mit Karte und Smartphone. Wir haben kein einziges Mal Bargeld benötigt.
- KANELSNEGLE, SMØRREBRØD, HOTDOGS: Das Essen ist die Wucht. Und mit Essen kennen wir uns aus. 😉
CONS
- KOSTEN: Lebensmittel, Gastronomie, der Hotdog auf die Hand oder das Bier im Supermarkt sind im Vergleich nicht günstig.
- WETTER: Auch im Sommer kann es schnell umschlagen. Längere Phasen über 20 Grad sind eher selten.